Bienchen und Jasmin

[05.05.2019]

Japanische Kampfhörspiele - Verk Ferever

Hi, ihr Lieben! Wir waren letzten Samstag auf Mallorca (Frankfurt - Palma de Mallorca, Hin- und Rückflug ab 5 €, RYANAIR) und haben die wunderbare Ruhe, die das Landesinnere bietet, dazu benutzt, für Euch das kommende Album von JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE (VERK FEREVER, ab Sommer 2019, BASTARDIZED) zu besprechen.

TRACK 01 SOZIALISATIONSSCHADEN

Bienchen: Der erste Track stellt ein langes Anti-Spotify-Intro dar, was das Album schon von vornherein sperrig macht und die potentielle Hörerschaft auf ein Minimum reduzieren hilft. Dieses Intro macht unmissverständlich klar: VERK FEREVER ist nicht auf Vermarktbarkeit hin produziert worden.

TRACK 02 HEDONISTIC PFLICHTGEFÜHL

Jasmin: Dieses Stück sollte ursprünglich angeblich schlicht FRÜHLING heißen. Durch die Titeländerung in HEDONISTIC PFLICHTGEFÜHL laden die eigentlich sinnbefreiten Textzeilen des Songs plötzlich zum Nachdenken und Interpretieren ein. So läuft das also mit dem intellektuellen Anstrich! Krass, dass so was wirklich funktioniert.

TRACK 03 AUFGEGEBEN

Bienchen: Wer es bei HEDONISTIC PFLICHTGEFÜHL noch nicht bemerkt hat, bemerkt es spätestens jetzt: JAKA setzen auf VERK FEREVER stark auf Percussion. Wahrscheinlich, um dem stumpfen und bloß beathaften Convenience-Metal, der die Grundlage bildet für die meisten Stücke auf VERK FEREVER, wenigstens einen Hauch von lateinamerikanischem Sexflair zu verleihen. Mir gefällt das!

TRACK 04 ES KLEBT

Jasmin: Nach drei verqueren Tracks endlich mal so was wie ein Hit! Liest man den Text mit, vergeht einem aber bald die Freude darüber, denn mit ES KLEBT werden JAKA nach zwei Tracks, die man textlich mit viel Wohlwollen noch dem Bereich der Unterhaltungsliteratur zuordnen könnte, zum schon oft genannten Stachel im Fleische des Erstweltmenschen. Gut also, dass die darauffolgende Nummer

TRACK 05 UNANGESCHNALLT DEN BULLEN REINGEFAHREN

das ganze wieder etwas auflockert und uns ein kurzes humoristisches Aufatmen erlaubt, bevor es weitergeht mit der brutal in Wunden bohrenden Sozialkritik.

TRACK 06 KAPITALISMUSWOHLSTANDFORTSCHRITT

Bienchen: KAPITALISMUSWOHLSTANDFORTSCHRITT ist wohl der zweite Hit auf VERK FEREVER. Geil, wenn auch sehr gewöhnungsbedürftig, sind hier die Bläser (!). Das hier zum Einsatz gekommene Megaphon ist von Fisher-Price (9,49 € | myToys.de).

TRACK 07 BEFEHLSEMPFÄNGER

Jasmin: BEFEHLSEMPFÄNGER ist eine klassische und sehr primitive One-Riff-Thrash-Nummer mit wenigstens einer Textzeile, die dem einen oder anderen politisch und auch ansonsten vom Leben Überforderten übel aufstoßen bzw. ihn und sein bequemes Weltbild irritieren könnte.

TRACK 08 IM FEIERABENDVERKEHR

Bienchen: Während JAKA mit BEFEHLSEMPFÄNGER eventuell den Vorwurf auf sich ziehen könnten, sie stünden tendenziell eher rechts als links, muss man ihnen anhand von FEIERABENDVERKEHR das Gegenteil vorwerfen. Tatsächlich also scheinen JAKA tendenziell eher lechts zu stehen bzw. rinks.

TRACK 09 QUALITÄTSICHERUNG

Jasmin: Aufgrund eines während des Produktionsprozesses entstandenen Bouncingfehlers, den man in das Stück integriert hat, ist diese Nummer doch noch ganz okay geworden.

TRACK 10 ZUFRIEDEN SEIN

Bienchen: Ziemlich beklopptes Stück. Obwohl ... mancher JAKA-Fan findet es wahrscheinlich mal wieder gerade gut. Aufs Album musste das Stück sicher, da die Gesamtspielzeit ansonsten zu gering ausgefallen wäre.

TRACK 11 KAPUTT

Jasmin: Hierbei handelt es sich um ein sehr melodiöses triolisches Popstück, welches sich dann zum Ende hin doch noch als einigermaßen sperrig entpuppt. Glück gehabt, liebe Freunde des vertrackten Kraut-Metals! Und schade, dass Ihr, liebe True-Metal-Fans, schon beim Intro des Albums ausgestiegen seid. Wenigstens die erste Hälfte dieses Stücks hätte Euch bestimmt gefallen können.

TRACK 12 KEINEN BOCK MEHR

Bienchen: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu entledigen", hat Immanuel Kant (1724 - 1804 €, wikipedia.org) mal gesagt... äh, sorry, "zu bedienen" natürlich! Egal. Gleichzeitig war Kant zusammen mit Hegel und Voltaire der Erfinder des Rassismus. Ist Kant durch letzteres komplett abzulehnen wie so ein Ernst Jünger oder Günter Grass? Oder kann man seinen Aufruf, den eigenen Verstand zu benutzen, dennoch als gute Idee stehen lassen?

Jasmin: Birgt die Kritik an forcierter Industrialisierung und modernen Marktstrategien, wie sie Gutmenschen wie Teddy W. Adorno hervorgebracht haben und wie sie Verschwörungstheoretiker wie Jean Ziegler, Noam Chomsky, Ilijas Trojanow oder Harald Lesch noch heute hervorbringen, Gefahren, weil sie hier und da Parallelen zum Denken Heideggers aufweisen?

Bienchen: Sollte man Revolutionen lieber gleich im Keim ersticken, weil Revolutionen neben Menschen, die einfach bloß auf Bäume klettern, die Schule schwänzen oder Autos anzünden wollen, seit jeher auch solche mit weniger redlichen Zielen anziehen; oder eher deswegen, weil Revolutionen Kinder fressen und das Erkämpfte grundsätzlich bald in sein Gegenteil verkehrt wird?

Jasmin: Ist es fair, keine Sklaven zu halten, keine Landstriche zu vergiften und keinen Müll ins Meer zu kippen, sondern diese Drecksarbeit andere, weniger schlecht Betuchte für sich machen zu lassen?

Bienchen: Soll es etwa gerecht sein, wenn fortan nur noch die Wohlhabenden unsere Lebensgrundlagen zerstören können, oder müssen in einer Demokratie nicht auch die untersten Schichten der Bevölkerung weiterhin die Möglichkeit haben, die Zukunft ihrer Kinder zu verunmöglichen?

Jasmin: Ist Angst wirklich kein guter Ratgeber, wie die grauen Herren behaupten, die gleichzeitig das Schreckgespenst an die Wand malen, dass bald alle AfD wählen würden, wenn Arbeitsplätze zugunsten des Umweltschutzes verloren gingen? Sind der drohende Verlust von Arbeitsplätzen, entstehende Wettbewerbsnachteile und ein Einbrechen der Versorgungssicherheit also wirklich Gründe, sich ökologisch so weiter zu verhalten wie bisher? Sind Schuleschwänzen und Auf-Bäume-Klettern nicht viel schlimmer? Und gehen die Arbeitsplätze nicht sowieso verloren, weil die künstliche Intelligenz sie uns nach und nach wegnimmt? Und ist das nicht eigentlich ganz schön, dass alle bald weniger bis gar nicht mehr arbeiten können bzw. müssen, bzw. haben zukünftige Generationen überhaupt noch die Zeit, einer Lohnarbeit nachzugehen, wo sie doch den ganzen Müll, den ihre Vorfahren in den letzten Jahrzehnten verbuddelt haben, wieder ausgraben und noch tiefer verbuddeln müssen?

Bienchen: Und wo wir gerade von den grauen Herren sprachen: Ist es etwa keine gute Idee, Missstände zu vermarkten, die man selbst erschaffen hat?

Jasmin: Welches ist der beste Weg, Menschen, die in Filterblasen oder Echokammern aufgewachsen sind, zu entfehlindoktrinieren, also solche, die ohne eigenes Zutun falsch indoktriniert worden sind, umzuindoktrinieren, so dass sie danach richtig indoktriniert sind. Und wo wir gerade bei Linksfaschisten sind, haben nicht auch diese genau so ein Recht darauf, von Kulturschaffenden (um einmal ein Naziwort zu verwenden) positiv provoziert zu werden wie andere Antiintellektuelle auch?

Bienchen: Sind Fans von Crispr Cas und andere Vielfaltvernichter gar keine Macher, sondern genauso wie der kleine Mann von nebenan in Wahrheit gesteuert von automatisch ablaufenden evolutionären Programmen, von Hormonen und Mikroorganismen? Und wenn ja, inwiefern wären die Chancen für das Überleben der Menschheit dann absehbar?

Jasmin: Stimmt wirklich, was die Hirnforschung behauptet? Nämlich, dass Menschen nicht wahrhaben wollen, dass sie, obwohl sie wissen, dass sie verarscht werden, trotzdem verarschbar sind?

Bienchen: Ist geteilte Scham wirklich halbe Scham?

Jasmin: Ist Authentizität vielleicht das Gegenteil von Kultur und Liberalismus das Gegenteil von Freiheit?

Bienchen: Ist eine Welt sich gegenseitig überprüfender Selbstoptimierer weiter wert, darin zu überleben?

Jasmin: Und last but not least: Ist das überhaupt noch Progressive Deutschpunk, was JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE da auf VERK FEREVER präsentieren?

Bienchen: Das alles sind so Fragen, mit denen sich viele lieber nicht beschäftigen wollen, weil sie dann ja keine Zeit mehr hätten für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die da sind: Billigfliegen, Billigwurst essen, mit selbstblinkenden und mit sechs Kameras ausgestatteten Autos über die Autobahn fahren, rund um die Uhr aus Kaffeeabfällen gebrühte Plörre aus To-Go-Bechern im Sitzen schlürfen und all den anderen Freiheiten frönen, die wenig Umstände machen und normal und damit befohlen sind.

Jasmin: In größeren Zusammenhängen zu denken nervt voll! Uns und auch die JAKA anscheinend inzwischen - weil sowas eben zu genauso wenig führt wie abkürzendes Schwarzweißdenken.

Bienchen: Der Unterschied ist halt nur, dass derjenige, der versucht, sich denkend der Komplexität der Welt wenigstens anzunähern, von seinen lieber nicht reflektieren wollenden und alles sich zurechtrationalisierenden Mitmenschen als der zu bekämpfende Feind ausgemacht wird. Und da unsere Spezies mangels Reflexionsvermögen ja sowieso bald zugrunde geht, warum sich da noch auf den letzten Metern der Menschheit mit Mitidioten anlegen?

Jasmin: Tja. Darum geht es wohl kurz gesagt in dem Stück KEINEN BOCK MEHR.

TRACK 13 BIOHACK

Bienchen: Der ursprüngliche Titel war laut Infoschreiben 'BIOHACK MIT HUNDEDRECK' gewesen, wobei 'Hundedreck' auf die englische Aussprache von 'Biohack' hingewiesen hätte. Gemeint ist also nicht biologisches Hackfleisch, sondern das sogenannte Biohacking, also diese Unart, sich qua Technik zum Nietzsche-Männlein hochzumanipulieren. Der für das Verständnis nötige Reim war den JAKA dann aber doch zu albern. Und zwar, weil er an NONSTOP SPRITZEN erinnerte (SCHWEINEMAST MIT LEUKOPLAST, BLONDE LOCKEN - STREPTOKOKKEN usw.), und wer will schon in die Nähe von NS-Idiotie gebracht werden?

TRACK 14 VERK FEREVER (DARK YOGA VERSION)

Jasmin: Der Titeltrack. Was VERK FEREVER bedeutet? Na, "work forever!" natürlich! Nur halt deutsch ausgesprochen. JAKA hätten die Platte auch nennen können: UNIWORSEITY OF DARS WADER. Sie verstehen sich aber ja noch immer nicht als Funband. Kurz vor Ende des Titeltracks geht das Album voll in den Arsch, bevor es dann mit einem alle und jeden mit der Arbeitswelt versöhnenden Outro abschließt.

Bienchen: Und einen BONUSTRACK gibts natürlich auch noch!

Fazit Bienchen: Vorsicht! VERK FEREVER verändert die Hirnstrukturen! Jetzt nicht so wie der ununterbrochene Konsum von Marihuana oder Onlinesucht oder die Aufnahme von Nanoplastikpartikeln über die Nahrung oder die Atemluft, die sich in Mastdarm- und Reptiloidenhirn festsetzen - aber doch beinahe messbar. Also zieht Euch die Scheibe rein, und beschwert Euch aber nicht, wenn Ihr hinterher neue Gedanken denkt!

Fazit Jasminchen: JAKA haben sich auf VERK FEREVER nicht weniger als selber neu erfunden, und zwar so sehr, dass eventuell sogar manche ihrer langjährigen Follower Probleme haben könnten mit dem Album. Klar, JAKA sind bekannt dafür, Regeln zu brechen und auf Krampf nichts so zu machen, wie es alle machen; auf VERK FEREVER haben sie aber vielleicht ein wenig übertrieben. Ich persönlich finde dennoch mega imposant, wie krass diese nicht mehr ganz jungen Typen auf ihren Instrumenten spielen können. Und bei den Texten musste ich manchmal weinen. Für mich ist VERK FEREVER definitiv die bewegendste Platte 2019.

Zu den Autorinnen: Die süßen Influencerinnen Bienchen (22) und Jasmin (26) lieben das Leben, schlucken beide gerne Smoothies und haben sich im letzten Jahr die Labien verkürzen und die Ani bleachen lassen (1.500 Zł, zlamana-pochwa.pl). Klar, Flugscham ist für beide ein Thema. Sie wollen sich dafür aber nicht fortpflanzen, und das ist ja immerhin weniger, als wenn man gar nichts tut.

T E R M I N E

JAKA LIVE:
16.11.2019 - GRINDNIGHT, Aalen CANCELLED
29.11.2019 - Köln, Sonic Ballroom
29.02.2020 - Hannover, BÉI CHÉZ HEINZ

L I N K S & L I K E S

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